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Jazz Biographies

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RAU, Remo

* Yokohama, 19.07.1927, † Zürich, 03.02.1987; Vibraphone, Piano, Clarinet, Alto saxophone

Rau wurde 1927 als Sohn eines Auslandschweizer Kaufmanns in Yokohama geboren. Bereits dort studierte er klassische Oboe und wirkte in diversen Kammerensembles mit. 1942 kam Rau in die Schweiz, wo er seine klassische musikalische Ausbildung bei Charles Dobler in Solothurn und bei Wladimir Vogel in Zürich weiterführte. Neben dem Fach Komposition studierte Rau an der Musikakademie Zürich Oboe, Klarinette und Saxophon. Basler Musiker wie Robert Suter und "Cheese" Burckhardt erinnern sich an ihn als äusserst begabten Saxophonisten und Klarinettisten, bevor ihn 1949 eine Tuberkuloseerkrankung mit längerem Kuraufenthalt zur Aufgabe der Blasinstrumente zwang. Dafür begann er, genauso intensiv, Klavier und Vibraphon zu spielen.

Halbtags arbeitete er in einer Zürcher Teppichfirma, die übrige Zeit hielt er sich frei für seine musikalischen Projekte. Daneben spielte er eine entscheidende Rolle im Zürcher Jazzleben als Promoter des Jazzlokals Africana und später der Konzertreihe Modern Jazz Zürich.

Rau hatte einen überaus breiten musikalischen Horizont. Er schrieb Opern, Konzerte und kammermusikalische Werke, interessierte sich aber auch für alle Facetten des Jazz. Er erzählte, wie er sich während der Africana-Zeit vom Hardbop-Pianisten Horace Silver in die harmonischen und rhythmischen Geheimnisse der damals wohl populärsten Jazzstilistik einweihen liess, wobei Silver stundenlang neben ihm am Klavier sass. Lange bevor sich andere Schweizer Künstler für solcherlei interessierten, experimentierte er in seinen Kompositionen mit Zwölftonreihen, Raga-Skalen, allen erdenklichen Folkloren sowie mit Pop-, Funk- und Salsa-Elementen. Mit seinem Quintett, dem damals der Innerschweizer Trompeter Hans Kennel und der Saxophonist Bruno Spoerri angehörten, unternahm er in den frühen Sechzigerjahren die ersten Versuche in Richtung Free Jazz. Seine späteren Bands, die er fantasievoll "Jungle Sob Soul Boppers" oder "Ensemble Musica Giganthropos" nannte, waren für viele junge Musiker wie Jürg Grau, Peter Hanel, Thomas Moeckel und Nick Liebmann wichtige Lehrinstitutionen.

Später realisierte der Visionär, der sich immer wieder als Konzertveranstalter betätigte, ehrgeizige multimediale Projekte. Aufführungen wie "Ballett und Jazz", "Ava und Edam", "Multi-Media-Tanztheater" erhielten lokal viel Anerkennung, bei den grossen Kulturinstitutionen stiessen seine zukunftsweisenden Ideen aber auf wenig Verständnis. Mit seinen spartenübergreifenden Werken (die er akribisch mit Opuszahlen versah) fiel er zwischen Stuhl und Bank. Er starb 1987 an Krebs und an einem gebrochenen Herzen.

[Nick Liebmann]

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