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Jazzbiografien

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GRUNTZ, George

* Basel, 24.06.1932, † Allschwil, 10.01.2013

Klavier, Elektropiano, Präpariertes Klavier, Elektropiano Fender-Rhodes, Vibraphon, Synthesizer, Keyboard, Orgel, Cembalo, Akkordeon

Als talentierter Pianist und Vibraphonist spielte er schon sehr früh mit den besten damaligen Schweizer Musikern mit. Nach einer Lehrzeit als Maschinenzeichner entdeckte er als einer der ersten Schweizer für sich die Welt des Bebop. Ein Aufenthalt in Schweden als Berufsmusiker brachte ihn in Kontakt mit den um 1950 neuen Strömungen des aufkommenden Cool und Westcoast Jazz. Sein nach dem Vorbild des Miles Davis Octet geformtes Oktett erregte 1952 Aufsehen. In Basel als Autoverkäufer etabliert, spielte er in den frühen Fünfzigerjahren als Amateur vor allem im Jazz- und Tanzorchester von Francis Notz. Für diese im Westcoast-Jazz beheimatete Gruppe und für das Unterhaltungsorchester von Radio Basel schrieb er erste Arrangements, trat immer öfter im Trio und mit internationalen Solisten wie Barney Wilen und Bernd Rosengren auf und ergriff, nach erfolgreicher Teilnahme am Newport Jazz Festival mit der "International Youth Band", die Chance, als Berufsmusiker mit Helen Merrill nach Japan gehen zu können. Darauf folgten Engagements mit Phil Woods' European Rhythm Machine und erste Big Band-Experimente mit Vater und Sohn Ambrosetti. Seine unermüdliche Neugier und Entdeckungslust führte ihn bald dazu, aus dem engeren Bereich des Jazz auszubrechen: Zusammenarbeit mit Komponisten und Interpreten wie Rolf Liebermann (Expo 1964), Antoinette Vischer (Cembalo), die Beschäftigung mit Barockmusik (Jazz goes Baroque), mit der Basler Trommel- und Pfeifertradition, aussereuropäischer Musik (Tunesien, Türkei), Filmmusik (u. a. für Bernhard Wicki). Eine wichtige Station war die intensive Beschäftigung mit dem Theater als musikalischer Leiter im Zürcher Schauspielhaus. Hier entdeckte er auch die Möglichkeiten elektronischer Klänge. In seiner "Piano Conclave" kamen Spieler von elektronischen und akustischen Tasteninstrumenten zusammen.

Seine Concert Jazz Band, immer wieder neu zusammengerufen, sobald sich die Chance einer Tournee auftat, entwickelte sich bald zu einer der wenigen innovativen Big Band-Formationen des zeitgenössischen Jazz. Als künstlerischer Leiter des Berlin Jazz Festival 1972 bis 1994 verwirklichte er neue Ideen.

Gruntz interessierte sich früh für grössere Formen und Theaterprojekte; so schuf er die "World Jazz Opera" (1982), das Oratorium "The Holy Grail of Jazz and Joy" (1985), die Oper "Cosmopolitan Greetings" (1988).

Später trat er wieder öfter in Kleinformationen oder sogar als Solopianist auf, wobei er immer wieder auch mit Nachwuchsmusikern zusammenarbeitete.

[Bruno Spoerri]


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